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Unser Text zum neuen falky-kalender

Kulturindustrie- Rebellion von der Stange

Jung, verwegen und mit kreativ gestaltetem Äußeren: Die_der rebellische Musiker_in . Gibt es überall, immer wieder und schon fragen wir uns: Wodurch werden diese jungen Köpfe motiviert soviel Zeit in ihre Musik zu investieren? Treibt sie ein quälendes Verlangen als Künstler_in nach Artikulation an die Welt oder ist es der Traum vom Hobby zu leben und Ansehen zu gewinnen? Und ist das überhaupt alles so einfach nur ihr_sein Ding durchzuziehen, nur Künstler zu sein?
Immer mehr Menschen kommen heute in den Genuss von Kunst und eine größere Vielfalt ist im Gegensatz zu früheren Gesellschaften möglich. Lange Zeit waren Musik und Kunst entweder zum Amusement des Adels oder einer kleinen Oberschicht gedacht und damit von deren persönlichem Geschmack abhängig oder dienten der Darstellung religiöser und weltlicher Macht.
Heute dagegen hat die Vermarktung der Massenkunst zur Folge, dass sich die Szenen und Nischen herausbilden und verschiedene Stile nebeneinander existieren können.
Irgendwann muss sich auch der_die schrägste Musiker fragen, ob sie_er die Musik nur im eigenen Proberaum spielen, oder ausverkaufte Konzerte in riesige Hallen geben will. Musiker_innen sind Schaffende und erweitern damit den ohnehin schon umfangreichen Schatz an Kultur. Und weil in unserer Gesellschaft auch die Freizeit und Erholung auf dem Markt ge- und verkauft wird, wird die Musik zur Ware und will gut verkauft sein. Zudem könnte passieren, was wirklich schade wäre: Der_die Musiker_in passt sich dem berühmten Mainstream und damit vorherrschenden Geschmack an. Und das Verrückte: Dieser ist von vorhandenen Musiker_innen (die, die vor großen Hallen spielen oder grade neutoptrendy sind) geprägt. Mainstream und Künstler_innen beeinflussen sich also gegenseitig.
Damit führt die Kunst zur Kultivierung des Menschen, sie wird also ein Werkzeug zur Integration von neuem, individuellen in den Mainstream.
Oft entstehen gesellschaftskritische Jugend- und Protestbewegungen parallel zu einer bestimmten Musikrichtung, die der Bewegung eine ganz spezielle Identität gibt. Man muss sich aber im Klaren sein, das auch diese Musik dem Markt unterworfen ist und damit in direktem Zusammenhang steht mit Etwas, dass man ja eigentlich abschaffen will.
Und unsere rebellischen Musiker_innen haben mittlerweile ihr Hobby zum Beruf gemacht. Ihre Leidenschaften müssen sie, um weiter Geld verdienen zu können, an die gerade vorhandene Nachfrage anpassen. Individualität sieht anders aus, denn aus Künstler_innen sind marktabhängige Unternehmer_innen geworden. Was vorher Freizeit war, ist nun verkauft und bricht das Versprechen, dass Freizeit Freie Zeit sein soll, vollkommen unabhängig von Leistung und Konkurrenz?
Aus dem vorher Privatgeschaffenem wird nun eine Produktion, und man kann berechtigt die Frage stellen, ob solche Kunst dann überhaupt noch Kunst ist!

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum

Versteht uns nicht falsch. Authentizität von Künstler_innen und deren Berühmtheit schließen sich nicht aus. Es geht darum, eine erschreckend unkünstlerisch- unausweichliche Tendenz darzustellen. Trotz dieser Tendenz ist es wichtig, mit toller Musik Glücksmomente für Menschen zu schaffen.
Und schon damit oder vielleicht mit einem Schuss Politik im Text lässt sich ja auch die öffentliche Meinung in eine emanzipatorischere Richtung verschieben. Das wäre ein Politikansatz, der zwar wegen der oben beschriebenen Wechselbeziehung problematisch ist, wahrscheinlich aber auch schon eine ganze Menge in den Köpfen der Menschen verändern kann.